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Interview mit Daniel Unsöld

Zuletzt aktualisiert am 30. September 2022 von vik_admin

(Bio)
Daniel Unsöld
Schriftzug in Schreibschrift "Just Relax"
Wir sprechen heute über das Konzept der Achtsamkeit und wie man mit ihr mehr Entspannung in seinem Alltag finden kann. Dazu haben wir Daniel Unsöld im Interview.
httpv://www.youtube.com/watch?v=T5j1puDfYNc
Daniel Unsöld

Einstieg

Hallo und Herzlich Willkommen zu unserer Interview Reihe zum Thema Achtsamkeit. Heute haben wir Daniel Unsöld bei uns. Möchten Sie sich einmal kurz vorstellen?

Vielen Dank für die Interview Möglichkeit. Ich bin Coach, Trainer, Moderator und bin seit 2009 selbstständig. Was ich mache und was vielleicht ein bisschen meine Spezialität ist, dass ich mich mit dem Thema Stimme, Körpersprache und Auftreten beschäftige in den Kontexten, wo es professionell gebraucht wird. Also im Bereich Moderation von Gruppen, Konferenzen, Sitzungen aber eben auch im Bereich Auftreten, wenn Experten*innen auf Podien sitzen, Politiker*innen in der Öffentlichkeit aber auch in den Medien sprechen. Da arbeite ich sowohl als Trainer in Workshops als auch mit Einzelcoachings und parallel in vielen Jahren sind noch andere Themen entstanden, wie eben Prävention, Motivation, grundlegende Themen. Mein Ziel ist es, die Menschen zu unterstützen, die sich sozial und ökologisch, individuell oder in Organisationen engagieren. Das ist dann mein weiterer Hintergrund: Ich habe nämlich viele Jahre in einem großem Umweltverband gearbeitet und habe mich für die Umwelt auf Bundesebene als Lobbyarbeit aber auch mit dem Ehrenamt eingesetzt. Dort hatte ich auch viele Moderationserfahrungen gesammelt und auch viel Pädagogisches gemacht und das war vielleicht so ein bisschen der Türöffner.

Entwicklung

Das hört sich sehr interessant an. Vor allem höre ich ein bisschen raus, dass eine persönliche Entwicklung im Thema Achtsamkeit natürlich eine große Rolle spielt. Ich habe auch gelesen, dass sie eine Weiterbildung im Bereich Theater gemacht haben. Inwieweit hat das Ihre persönliche Weiterentwicklung beeinflusst?

Ja, ganz schön massiv, also das war ein Jahr lang eine Vollzeit Ausbildung, die ich gemacht habe. Während meines Studiums hatte ich ein Jahr ausgesetzt mehr oder weniger und das ist irgendwie so passiert. Ich hatte da angerufen und wollte eigentlich nur Abendkurse machen, dann meinten die: “ne, einen Abendkurs haben wir nicht, aber eine Vollzeit Ausbildung, die fängt am Dienstag direkt an!” Ich habe tatsächlich am Dienstag dann angefangen (!) und hätte nicht gedacht, wie viel Einfluss das hat. Also das hat mir einen ganz anderen Zugang zu nonverbaler Kommunikation gegeben. Wir hatten Stimm- und Sprechtraining aber auch ganz viel Körpertraining, ich habe Yoga überhaupt kennengelernt und generell durch das viele Auftreten große Entspanntheit erlangt, vor Menschen zu stehen und Ungewohntes zu tun.

Aber das hat mir auch eine große Fehleinschätzung für mein späteres Coaching mitgegeben. Und zwar so ein bisschen die Vorstellung, man muss das so trainieren, auf der Bühne zu stehen und das wird auch immer im Internet sehr viel propagiert. Das heißt also alle, die introvertiert sind, sollen jetzt bitte schön auch exaltierte Gestik lernen und total witzig werden, also eigentlich extrovertiert. In den Jahren meiner Arbeit, jetzt bin ich zu einem anderen Schluss gekommen; dass die Menschen, die eigentlich am ehesten sowas (Anm. d.Red.: Training, Coaching) machen, einen anderen Zugang haben. Es geht vielmehr um innere Klarheit. Wer bin ich? Wie spreche ich? Was will ich hier? Was mache ich hier? Und eine tiefere Reflektion und eine Entscheidung für eine konkrete Selbstwahrnehmung in einer konkreten Situation. Wenn es jemanden interessiert, habe ich auf meiner Webseite einen Blog zu innerer Klarheit.

Die Arbeit an sich selbst

Genau, da haben Sie mir schon einen weiteren Stichpunkt gegeben: Nonverbale Kommunikation, sprich Körpersprache. Haben Sie vielleicht ein paar Tipps für unsere Leser, wie man an der eigenen Körpersprache arbeiten kann und wie man diese in wichtigen Situationen richtig einsetzen kann?

Es ist eine Frage, auf die sich viele eine Antwort wünschen. Auch hier bietet das Internet viele Möglichkeiten. Ich bin hier ein bisschen anderer Meinung. Körpersprache, wenn man sich das ein bisschen wissenschaftlich anschaut, ist da eigentlich immer situativ. Das heißt, wenn ich jetzt sage, mach etwas mit den Augenbrauen oder es gibt dieses Konzept von Gesichtsmuskelkontrolle, die irgendeine konkrete Wirkung haben soll, da würde ich als Klient*in immer kritisch werden. Das kann ja wohl nicht sein, weil wenn meine Oma mir gegenübersitzt und ich die umarme, hat es eine völlig andere Aussage, als wenn ich meine Chef*in umarme. Das jetzt mal als ein ganz plakatives Beispiel. Aber natürlich können wir erstmal schauen. Wichtig ist, dass wir uns erst mal klar werden: Was mache ich eigentlich mit meinem Körper? Die banalsten Dinge, wie: Atme ich eigentlich noch? Die meisten Leute, wenn sie im Stress oder in wichtigen Situationen sind, hören auf zu atmen. Und das Zweite ist, sie nehmen im Grunde gar nicht mehr den Raum und alle Gesprächspartner*innen wahr und das zeigt sich auch in der Körpersprache. Ich fokussiere mich zum Beispiel jetzt auf die Professorin, die mich gerade mit kritischen Fragen löchert und lasse im Grunde die Ressource der Restgruppe und die Ressource des Raums ungenutzt.

Das mag sich vielleicht jetzt etwas kryptisch anhören, aber hier ein Tipp, den ich jetzt mitgeben würde, damit jede/r Einzelne vorbereitet ist: Wenn wir im Alltag durch den Raum gehen, schauen Sie weg vom Handy, fangen Sie an in den Raum zu schauen. Dadurch öffnet sich der Blick, Sie weiten sich, Sie sind präsenter und Sie nehmen einfach mehr wahr. Nehmen Sie Blicke auf, gehen Sie in Blickkontakt, wirklich mit den anderen in Kontakt gehen, sich dran gewöhnen mit vielem im Kontakt zu sein. Und wenn wir mal im Gespräch sind, darauf achten: Blockiere ich eigentlich gerade? Sich aufrichten, vielleicht sich einmal zurücklehnen, den Raum mal wieder wahrnehmen und dann, wenn wir sprechen, vielleicht aktive Impulse setzen, also zu gucken: Ich will mir jetzt Raum nehmen, lehne ich mich mal rein oder gehe ich mal mit einer Geste in den Raum. Dann zählt aber der Subtext, also die Emotionalität, mit der ich das mache; wenn ich das mit so einem Gefühl mache: “Ich will mir Raum nehmen!”, dann sind die Reaktionen eher negativ. Aber wenn ich das mit einer Begeisterung mache, die auch ehrlich ist, dann hat es was sehr Entwaffnendes. Das heißt die emotionale Botschaft unter dem Körpersprache, die ist das Feine! Deshalb arbeite ich im Training fast immer in Gruppen, um die Situation zu reinszenieren.

Vielleicht noch ein ganz praktischer Tipp, was man machen kann, ist Power Posing, vielleicht hat das schon mal jemand gehört. Das ist ein ganz ähnlicher Ansatz, der sagt auch im Grunde, entscheidender ist, was wir grundsätzlich in unserem Körper haben und bevor wir wichtige Termine haben, einfach eine bestimmte Pose anzunehmen und diese auch eine Zeit lang zu halten und auch innerlich emotional zu füllen. Diese Energie können wir dann und das ist wissenschaftlich belegt, mit in Situationen wie zum Beispiel Prüfungen nehmen und werden dann als souveräner bewertet. Das macht auch Sinn, indem wir diese Posen einnehmen, connecten wir uns nämlich im Grunde mit unserer Körpererfahrung aus Situationen, wo wir souverän und sicher sind, anstatt uns zu denken: “Wenn die jetzt diese Frage stellt, dann fällt mir bestimmt nichts ein!” Und anstatt in so eine Panikschleife zu kommen, merke ich: “Ja stimmt, ich kann ja auch total souverän und kraftvoll sein” Und ich nehme dann so ein Quäntchen dieser Energie mit und die wirkt auf uns und auch wieder zurück. Dazu gibt es auf meiner Webseite auch einen Blog zu Amy Cuddy, einer Psychologin aus USA gut, davon kann man sich gerne ein Video anschauen.

Tipps

Das Thema Achtsamkeit bedeutet zum Beispiel für jeden etwas anderes. Was bedeutet das Thema Achtsamkeit für Sie persönlich?

Also für mich persönlich ist es tatsächlich jeden Tag eine Herausforderung. Nur weil ich ein Coach und Moderator bin, heißt das nicht, dass ich das sozusagen aus dem Effeff mache, weil alles, was man wiederholt, kriegt irgendwann eine Gewöhnung. Das heißt jetzt nicht so einfach ein Rezept, was immer funktioniert.

Aber was für mich tatsächlich entscheidend ist, wirklich auch in dem Sinne von Achtsamkeit, zu merken, wann ich im Grunde den Kontakt zu mir verliere. Vielleicht auch in Selbstverurteilung gehe, und dann innezuhalten und zu atmen und dann kann ich natürlich verschiedene Dinge tun. Das kann für den einen sein, etwas Produktives zu machen, dass mir ein Gefühl gibt, dass ich jetzt selbstwirksam bin. Oder n den Wald zu gehen. Für einen anderen kann das bedeuten, wirklich was Neues anzufangen und der Dritte macht vielleicht eine Meditation, vielleicht Tonglen oder eine Mettameditation aus den buddhistischen Kontexten oder strukturierter Atem. Ich lese zum Beispiel gerne inspirierende Texte, die habe ich auch auf meiner Webseite. Eine Person, die mich zum Beispiel zum Thema Achtsamkeit sehr inspiriert hat, ist Pema Chödrön, eine buddhistische Nonne aus den USA, die hat für mich Meditation zum ersten Mal richtig erklärt, sehr schlicht und einfach. Für alle die es interessiert, kann ich das sehr empfehlen.

Ein Missverständnis, dass ich momentan bei vielen jungen Coaches beobachte, ist Optimierung, so: „Meditate Hard and Work Hard“ .Ich glaube nicht, dass es das ist, was ich jetzt als Grundgedanke sehen würde, also das ist etwas sehr Kompetitives letzten Endes und das kann einen konsequent unter Druck setzen und auch kein Ende haben, man kann es immer mehr optimieren. Wichtiger sind die Fragen: Was ist eigentlich für mich ein gutes Leben, ein guter Tag? Man sollte sich weniger vornehmen, weniger machen, weniger Geld scheffeln, weniger putzen. Dann habe ich ein bisschen mehr Zeit, dann kann ich einfach durch die Stadt spazieren, einkaufen gehen und wenn man dann jemanden trifft, dann kann ich mit der Person eine halbe Stunde quatschen, das ist für mich Lebensqualität und schafft Achtsamkeit. Dieses Tempo, was wir uns kreieren, egal ob wir jetzt schnell meditieren oder schnell Yoga machen – meiner Meinung nach ist das gesellschaftlich eher ein Trend, der in die falsche Richtung geht.

Vielen Dank

Wir kommen zum Ende unseres Interviews und ich möchte mich herzlich bei Ihnen bedanken für die großartigen Tipps. Ich finde, Sie haben uns einen sehr guten Einblick in das Thema gegeben. Und vielen Dank für Ihre Zeit.

Auch von mir vielen Dank. Ja, hat Spaß gemacht.

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