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Interview mit Eva-Maria Schork
Eva-Maria Schork
Schriftzug in Schreibschrift "Just Relax"
Wir sprechen heute über die vier verschiedenen Stresstypen und wie sie individuell Stress wahrnehmen. Dazu haben wir Eva-Maria Schork im Interview.
"Entspannen wie die Profis" - Interview mit der Achtsamkeit-Expertin Eva-Maria Schork

Eva-Maria Schork

Einstieg

Im Rahmen unserer Interview-Reihe „Entspannen wie die Profis“ sprechen wir heute mit Eva Maria Schork. Sie ist gelernte Industriekauffrau und arbeitete einige Jahre lang in ihrem Beruf, bis es sie dauerhaft in die Welt der Entspannung und Achtsamkeit verschlug. Herzlich willkommen Frau Schork, möchten Sie sich erstmal selbst vorstellen?

Hallo, danke schön für die Begegnung. Wie sie es schon gesagt haben: Ich habe viele Jahre als Industriekauffrau gearbeitet, war da auch als Assistenz tätig und habe mich jetzt als Resilienz-Trainerin und Entspannungstherapeutin selbstständig gemacht, was mich sehr erfüllt.

Danke sehr. Sie sind ausgebildete Industriekauffrau und haben sogar jahrelang als Assistentin der Geschäftsführung gearbeitet. Was hat Sie dazu bewogen, von einem derart kompetitiven und leistungsorientierten Umfeld zu einem Beruf zu wechseln, der sich vor allem mit Entspannung und Achtsamkeit auseinandersetzt?

Also über die letzten 15 Jahre durch Begegnungen, Bücher und auch Lebenssituationen habe ich einfach erkannt, dass ich den Beruf der Industriekauffrau zwar sehr gut kann, ich würde sagen, ich habe ein gewisses Talent dafür, aber im Grunde bin ich hochsensibel. Die letzten Jahre haben sich einfach meine empathischen und fantasievollen Anteile immer mehr zeigen wollen. Irgendwann wurde mir dann bewusst: Wenn ich diesen Anteilen Raum gebe, dann bin ich viel näher bei mir und je näher ich bei mir bin, desto mehr bin ich so, wie ich eigentlich sein sollte. Als Resilienz-Trainerin kann ich genau das ausleben, wie ich gemeint bin. Und dann übe ich nicht einfach nur mein Talent aus, dann bin ich glücklich und ganz nah bei mir und das hat mich dazu bewogen, diesen Schritt zu gehen.

Autogenes Training

Gerade, wenn jetzt von Entspannung und Resilienz die Rede ist, spricht man öfters darüber und Sie erwähnen es auch positiv auf Ihrer Webseite: Das Autogene Training. Was kann ich mir darunter vorstellen und wie genau hilft es jemanden, mit Stress und Überlastungen umzugehen?

Ja, das Autogene Training wurde vom Berliner Psychiater Johannes Heinrich Schulz entwickelt. Er hat, angeregt vom Hypnoseverfahren, festgestellt, dass Gedankenformeln oder verbale Formeln, also vorformulierte Sätze, unser vegetatives Nervensystem beeinflussen können, wenn man sie mehrfach wiederholt. Als Beispiel: Im körperlich entspannten Zustand sind die Arme oder die Beine schwer und so kann man mit Sätzen wie „mein rechter Arm ist schwer“ mit ein bisschen Übung dann tatsächlich in einen Entspannungszustand kommen. Das lässt sich dann natürlich in Stresssituationen hervorragend und bewusst einsetzen.

Meditation im Alltag

Das klingt auf jeden Fall auch schon so ein bisschen, als ob es in die Richtung der Meditation geht. Es gibt grundlegend in der Popkultur das weitverbreitete Bild der Meditation, wo man von ätherischen Düften eingehüllt und von esoterischen Klängen umgeben ist. Sieht Meditation denn immer so aus oder stellen Sie sich persönlich darunter auch etwas anderes vor? Wie können unsere Zuhörer*innen meditative Vorgänge auch in einen stressigen Alltag unterbringen?

Ätherische Düfte und besondere Klänge sind tatsächlich hilfreich als Anker, wenn man in einen bestimmten Zustand kommen will. Sie bilden in dem Fall gewissermaßen einen Teil eines Rituals. Ich vergleiche das mit einem Frühstucks-Ei am Sonntag, das es immer nur beim ausgedehnten, langen Frühstuck gibt. Da weiß das eigene System dann auch, dass es unter der Woche einfach anders ist und so kommt man dort auch in einen anderen Zustand. Wenn ich das Frühstücks-Ei dann mal unter der Woche einbaue, kann ich so ein bisschen die entspannte Wochenendstimmung herbeiführen. So ist es eben auch für die Meditation nützlich, wenn man ätherische Düfte und Klänge einfach anwenden möchte, um schnell in den richtigen, mentalen Geisteszustand zu finden.

Grundlegend ist die Meditation selbst für mich aber völlig frei von äußeren Einflüssen, weil ich sie immer herbeiführen kann. Wenn ich bei allem, was ich tue, einfach hundertprozentig aufmerksam bin und wahrnehme, ohne zu bewerten oder anzuhaften, dann kann eigentlich fast jeder Alltagzustand eine Meditation sein. Sogar so etwas Banales wie das Geschirrspülen. Es geht einfach darum, völlig aufmerksam und achtsam im Moment zu sein und die urteilsfreie Wahrnehmung im Inneren und Äußeren zu haben. Dazu kann man sich gut folgende Fragen stellen: „Was höre ich?“ „Was sehe ich?“ „Wie fühlt sich etwas an?“ „Wie spreche ich, wie spricht mein Gegenüber?“

Die verschiedenen Stresstypen

Sie bieten auf Ihrer Webseite einen Workshop zum Thema Stressmanagement an. Im Zuge dieses Workshops arbeiten Sie mit dem Teilnehmer*innen heraus, welcher Stress-Typ sie sind. Welche unterschiedlichen Stresstypen gibt es überhaupt und was sind Indizien in meinem eigenen Alltag, die verraten, zu welchem ich gehöre? Also wie kann ich das selbst feststellen?

Also es gibt vier verschiedene Stresstypen. Zum Beispiel den Stresstyp A: Da steht das A für Adrenalin. Solche Menschen schütten in stressigen Situationen vermehrt Adrenalin aus, was dann auf der körperlichen Ebene zu erhöhtem Blutdruck und einem schnelleren Puls führt. Die Körpertemperatur steigt, der Körper beginnt zu schwitzen, die Magendarm-Tätigkeit geht zurück und es wird weniger Insulin produziert. Der Blutzuckerspiegel steigt und solche Menschen sind meistens eher gereizt und ungeduldig, aufbrausend und immer unter Zeitdruck oder haben es eilig. Ihr Motto könnte sein: „Wenn man nicht alles selbst macht…“.

Dann gibt es den Stresstyp C, das C steht hierbei für Cortison. Da wird einfach in stressigen Situationen über die Nebennierenrinde vermehrt Cortisol ausgeschüttet, wodurch sich Symptome wie niedriger Blutdruck, verstärkte Magendarm-Tätigkeit und Unterzuckerung bzw. Blutzuckerschwankungen und eine generelle Schwächung des Immunsystems zeigen können. Diese Menschen sind erkältungsanfälliger und sind häufig eher passiv, verunsichert, ängstlich, konfliktscheu aber generell auch sehr freundlich und hilfsbereit.

Darüber hinaus gibt es den Stresstyp G, der steht für das Gesundheitsideal. Das sind Menschen, die in Stresssituationen gelassen und positiv sind und auf ihre eigenen Ressourcen zurückgreifen. Sie können sich hervorragend auf sich selbst verlassen. Sie beherrschen gute Kommunikation, sie können leicht Grenzen setzen, aber auch um Hilfe bitten und sagen auch mal nein, wenn es nötig ist. Gleichzeitig zeigen sie ein nicht geringes berufliches Engagement, sind interessiert und kommen nach stressigen Situationen zeitnah wieder in den Entspannungszustand zurück.

Zu guter Letzt gibt es noch den Typ „Schonung“, das ist der Typ, der sich schon im Vorfeld vor der Arbeit drückt und möglichst einen großen Bogen um Stresssituationen macht. Er hat allerdings auch meistens kein großes berufliches Engagement oder besondere Ambitionen. Um festzustellen, welcher Stresstyp man sein könnte, sollte man einfach mal schauen, welche Beschreibung auf den ersten Blick am ehesten auf einen zutrifft.

Umgang mit Burnout

Es ist auf jeden Fall interessant, mal einen Überblick darüber zu haben. Sie selbst haben einen interessanten Ansatz beim Thema Burnout, den man nicht allzu häufig vorfindet: Für Sie ist oftmals nicht die Überarbeitung, also die Aufgabenmenge an sich, das Problem, sondern vielmehr die fehlende Sinnhaftigkeit, in dem was man tut. Würden Sie persönlich sagen, dass damit nicht alle Probleme durch die Arbeit, sondern viele auch durch den Umgang mit ihr entstehen? Wie kann ich nach Ihrer Definition denn effektiv gegen Burnout vorgehen?

Zum Teil ja. Also jeder Mensch hat viele Anteile in sich, die alle gehört und versorgt werden möchten und wenn da jemand ist, der seine Leidenschaft, sein Hobby zum Beruf gemacht hat, also seine Berufung lebt, dann sind dort wahrscheinlich viel mehr Anteile gleichzeitig versorgt und zufrieden. Wenn aber jemand nur den Beruf ausübt, weil er den halt irgendwann mal gelernt hat und weil ihm jemand gesagt hat „mach dies und das“, dann kann es in Zeiten, wo ein großes Arbeitspensum aufkommt, passieren, dass da einfach der Ausgleich fehlt. Andere Anteile kommen zu kurz, vielleicht die Anteile, die nach Freude, Spaß, Sinnerfüllung oder nach Zeit mit der Familie und Freunden dürsten.

In diesen Fällen rate ich eigentlich immer, wenn wirklich eine zu hohe Arbeitsauslastung besteht, im privatem Bereich zu schauen, was man ausgleichen kann und was nötig ist, um für Ausgleich zu sorgen. Also einfach in sich selbst hineinhören, um zu erfahren, welche Anteile noch versorgt werden wollen und welches Bedürfnis sich da meldet. An dem Punkt muss man dann eigentlich nur noch schauen, wie man diese Bedürfnisse umsetzt und erfüllt, aber dafür braucht es ganz oft eine gute, achtsame Kommunikation sowohl mit sich selbst als auch mit dem Umfeld.

Vielen Dank

Das ist ein super Ansatz und eine sehr gute Idee, die man aus diesem Interview mitnehmen kann. Ich danke Ihnen für Ihre Zeit und für ihre Expertenmeinung zum Thema Entspannung und Umgang mit Stress.

Vielen Dank für die Begegnung und danke für das Gespräch.

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