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Homestory mit Dominik Peitsch

FACHWERKRAUM furnitecture - groß
Schriftzug in Schreibschrift "Just Relax"
Wie richte ich einen kleinen Raum ein, ohne Bewegungsflächen zu verlieren? Dominik Peitsch von FACHWERKRAUM furnitecture zeigt uns sein Konzept!

Zu Besuch bei fachwerkraum: Eine neue Form der Möblierung!

Dominik Peitsch hat mit seiner Idee „fachwerkraum furnitecture“ eine Möglichkeit entwickelt, kleine Räume effizient zu möblieren. Seine Einrichtung hat zwei Hauptkomponenten: Profile aus Edelstahl (Zwei Befestigungsvarianten) und Eichenholzplatten, die miteinander an der Wand befestigt werden und so jede Art von Möbel darstellen können. Der Boden bleibt frei und durch die Höhe der Anbringung der Holzplatten wird entschieden, ob es Bett, Schreibtisch, Bank oder Regal wird. Es wird praktisch ein großer Baukasten geboten, der vom Bewohner individuell genutzt werden kann. Man kann der Architekt seiner eigenen Zimmereinrichtung sein, und diese auch selber einfach einbauen!

FACHWERKRAUM furnitecture - 1
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Von der Idee zur Umsetzung- ein langer Weg

Guten Tag Herr Peitsch, vielen Dank für die Einladung nach Bielefeld. Nach fünfjähriger Planung hast du nun im Jahr 2019 dein Startup Unternehmen gegründet. FACHWERKRAUM furnitecture befasst sich mit einer neuartigen Möblierung. Wie kam es zu der Idee? Was hat dich inspiriert?
Ein Problem: Ich hatte für meinen damals 14jährigen Sohn nur ein Zimmer mit 7 m², wo neben Regal, Tisch und Stuhl noch Platz für Kleider und Bett geschaffen werden musste. Da habe ich das tüfteln angefangen und zunächst sehr aufwendig Komponenten gebastelt, die für Kunden kaum finanzierbar wären. Über moderne Lasertechnik war dann schnell klar, dass auch ein Produkt für einen Markt entstehen könnte.

Inwiefern hat deine berufliche Laufbahn dir in der Produktentwicklung und der Unternehmensgründung weitergeholfen?
Im Grunde ist das ganz interessant: Ich habe angefangen mit dem Export für ein Unternehmen, weil ich auch viele Sprachen während des Studiums gelernt habe. Als studierter Diplomsoziologe sucht man sich eigentlich für die Position einen Wirtschaftswissenschaftler. Aber die hatten eben keinen, der zwei, drei Sprachen sprach, also habe ich das übernommen. Vorher habe ich in der Mode gelernt im Groß- und Außenhandel. Ich habe dann im Ausland verkauft, was so keiner gebraucht hat. Da habe ich dann das Marketing entwickelt und die Agentur gegründet. Ich habe gemerkt: Eigentlich muss das Produkt selber kommunizieren. Von da an habe ich mich um Entwickler gekümmert und habe die „verrückten Erfinder“ beraten. So bin ich dann zur Entwicklung gekommen, weil ich ja immer mitentwickelt habe. Ich wollte auch immer gerne mit Holz arbeiten. Als ich dann mit Bethel Kontakt hatte, die haben auch eine Holzwerkstatt, haben die mir die ersten Holzprofile gemacht. Im Grunde war das also alles sehr organisch.

Auf deiner Website schreibest du, dass die Unternehmensgründung bewusst im Bauhausjahr 2019 stattfindet. Was ist die Beziehung von deiner Möblierung zu der Bauhaus Bewegung?
Ich habe lange überlegt, wann ich aus der Agentur die Gründung von fachwerkraum mache. Es war immer klar, dass es ein Bauhausprodukt ist und als ich dann gesehen habe, dass dieses Jahr 100 Jahre Jubiläum bevorsteht, habe ich gedacht, jetzt startest du in diesem Jahr. Denn es umfasst die beiden Bereiche, Architektur und Möbel, wo man Bauhaus am meisten sieht. Die Veranstaltungen zu 100 Jahre Bauhaus haben mich wirklich überrascht. Ich war auch letztes Jahr in Dessau und ich glaube, dass nun viel mehr Leute wissen, dass Bauhaus nicht ein Baumarkt ist. Und die, die es kennen, sagen: Das sind die hässlichen Häuser aus den 60er Jahren. Das Problem ist, und das ist bei Architekten heute noch der Fall, dass nie berücksichtigt wird, wie sieht das Objekt in 100 Jahren aus. Ich komme aber eigentlich mehr vom Jugendstil. Das war immer mehr so mein Ding.

Wie setzt sich deine Möblierung zusammen?
Es ist das abstrakteste Einrichtungssystem, was man sich vorstellen kann. Weil es hat eben kein Design, lässt sich individualisieren und mit allem kombinieren, ob mit funktionalen Alu-Boxen oder mit Koffern aus den 50er Jahren. Man kann es 500 Jahre nutzen und wenn was kaputtgeht, kann der Hausmeister das wieder austauschen. Gerade die Eiche ist etwas, was immer halten sollte. Der Grundgedanke war der Minimalismus und dann war noch der Ehrgeiz, dass man die Reststücke wiederverwenden kann. Also der ökologische Anspruch ist auch sehr hoch. Möchte man einen Sektempfang in seinem kleinen Flur veranstalten, setzt man die Bretter als kleine Tischchen ein, ansonsten stehen sie hochkant in dem Schubprofil und können so zum Beispiel als Bilderrahmen verwendet werden. Es war mein Anspruch, das Gleichteileprinzip überall wieder zu verwenden. So hat man ganz einfache Grundelemente: Das Rohr, das Holzprofil mit 45 mm, die Eichenplatte in 25 cm und daraus soll dann alles entstehen. Es entspricht alles den Sehgewohnheiten, die Profile und das Holz hat jeder schon gesehen und man hat das Gefühl, als wäre es schon immer da gewesen. Das ruft Vertrautheit hervor.

FACHWERKRAUM furnitecture - 2
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Findet man bei dir zuhause auch dein Einrichtungskonzept eingebaut?
Ich hatte das im ganzen Haus eingebaut, einem Einfamilienhaus, was ich dann verkauft habe. Die neue Eigentümerin wollte das gerne behalten, deshalb habe ich das drin gelassen. Da war das Kinderbett mit 3m Länge, wo die Kinder mit den Füßen aneinander drin geschlafen haben. Es bietet sich eben vor allen Dingen für kleine Räume an oder aber zum parzellieren.

Wird dein System dem Menschen als Individuum gerecht?
Das ist eine gute Frage. Ich habe das DIY Konzept, das ist ja schon viel mehr Identität. Ich kann 1000 Sachen damit kombinieren, es verändern und vor allem füllen. Es gibt im Grunde nur abstrakte Vorgaben. Ich kann die Bretter auch einfärben und verschiedene Farben an verschiedenen Seiten der Bretter benutzen. Dann kann ich das Brett einfach umdrehen und habe gleich ein anders farbiges Möbelstück. Ich habe die Möglichkeit das auszufachen, sag ich immer, wegen „fachwerkraum“. Ich bin jemand, der gerne umbaut. Ich kenne keinen, der so viel sein Kinderzimmer verändert hat. Ich kann immer, wenn ich umziehe, die Profile mitnehmen und muss nur die längsten nachkaufen, weil die anderen kann ich ja kürzen. Als ich in der Schweiz unterwegs war, hatte ich 20 Möbel in einem Volvo V 50. Ohne Matratze und Lattenrost, aber die Grundkonstruktion und das Werkzeug war alles in einem Auto drin.

Kann der Mensch auf Dauer in kleinen Räumen glücklich sein?
Man muss praktisch weiterdenken. So wie man auf dem Fahrrad sitzt, da hat man die ganze Welt als Umgebung, im Auto dagegen, da hat man nur einen Kubikmeter zum Atmen. Man fühlt sich immer mit dem Draußen verbunden. Deswegen sind zum Beispiel beim Bauhaus so viele Eingangstüren auf dem Balkon. Und draußen hat man dann ja das ganze All um sich. Weil abends freut man sich ja auch, wenn man in einen kleinen Kokon nach Hause kommt. Man braucht beides. Wenn ich im Hyde Park in New York ein Zimmer habe und ich kann das mit fachwerkraum einrichten, dann lebe ich luxuriöser, als auf dem Land mit 500qm, weil da bin ich mit der ganzen Welt verknüpft. Da muss man wissen, was man will. Und irgendwo strebt jeder Mensch die Kombination aus Enge und Weitläufigkeit an, sonst würden nicht so viele mit dem Wohnmobil verreisen. Und als ich meine erste Wohnung hatte, wo ich mich jeden Morgen entscheiden musste ob ich nach rechts oder links gehen will, war mir das schon zu groß. Das war ganz komisch und dann auch noch alleine. Also man kann sowohl in zu großen, als auch in zu kleinen Räumen unglücklich sein und sich nicht wohlfühlen.

Platz in der kleinsten Hütte | Einfach genial | MDR

FACHWERKRAUM furnitecture

Was begeistert dich am meisten an fachwerkraum?
Das kleine Set tatsächlich, was man so flexibel nutzen kann. Oder das Schuhregal. Ich kann das so schräg an die Wand hängen, dass der Absatz dahinter kann oder gerade. Oder ich kann auch einfach eine Obstkiste dazwischen hängen. Diese ganz einfachen und kleinen Dinge sind im Grunde das Interessante. Und beim Bett kann man zeigen, wie schon was Klassisches besser zu organisieren ist. Es gibt ja viele Nischen, wo ich sagen kann, ich nehme mir eine Dachlatte und bestelle mir Profile und dann habe ich vom ersten bis zum letzten Zentimeter alles ausgenutzt für ein Schuhregal. Ein Tischler sagte mal die „Demokratisierung des Tischlerhandwerkes“. Es sind Maßmöbel, aber gleichzeitig sind sie so standarisiert, dass jeder Tischler sagen kann: Das bau ich ihnen mal schnell ein. Also ich habe an einem Tag mal 20 Möbel gemacht

Wie stehst du zum Minimalismus?
Anders geht’s gar nicht mehr. Wir haben durch die ständige Verbindung mit der Welt mit Telefon usw. die Pflicht, Informationen draußen zu halten. Bevor ich umgezogen bin habe ich vier Jahre vorher nichts mehr gekauft und immer mehr abgegeben. Weil wenn ich dann umziehe möchte habe ich nur noch das, was mir wirklich am Herzen liegt. Und das ist trotzdem noch viel, also man würde eigentlich mit viel weniger auskommen. Wo es früher ums Überleben ging mit Klamotten und Essen, geht’s jetzt darum, das Überleben zu sichern, indem man sich immer wieder auf das Wesentliche besinnt, weil das freimacht. Alles andere macht krank. Ich glaube, das ist die Zukunftsstrategie. Es gibt einfach Sachen, wie meine Holz Lok, die ich immer noch habe, weil sie als Einjähriger auf dem Geburtstagstisch stand. Da wäre ich todunglücklich, wenn ich die nicht mehr hätte. Dagegen mein Auto, da wäre ich froh, wenn ich das nicht mehr hätte.

Was waren besondere Herausforderung bei der Entwicklung deiner Vision?
Oh die tausenden Ideen. Und die Maße. Also immer zu überlegen und nachts aufzuwachen, funktioniert es oder funktioniert es nicht. Wie war das noch gleich, waren das hier 20mm oder 25mm? Die Mathematik dahinter, ob es funktioniert. Aber die allergrößte Herausforderung ist natürlich jemanden zu finden, der da Spaß dran hat, der es versteht und der sagt da machen wir jetzt was raus. Die habe ich noch nicht geknackt. Ich weiß, ich werde damit nie erfolgreich sein, weil dafür bin ich viel zu klein. Ich müsste 2000 Jahre leben. Der schönste Erfolg war, als der Chefredakteur vom Möbelmarkt mir sagte: Wie lange haben sie dazu gebraucht? Das ist ja so einfach! Und das war richtig schön. Ganz viele Herausforderungen und ganz viel Frust ist dabei gewesen, aber auch ganz viele interessante Begegnungen. Die Energie kommt immer wieder zu einem zurück. Wenn auch nicht in Form von Geld, das ist ganz erstaunlich.

Wo siehst du deine Möblierungsidee umgesetzt und für wen ist sie besonders geeignet?
Bei Studentenwohnheimen wird leider nicht langfristig gedacht. Dort wird nach einer Periode, also ungefähr nach 10 Jahren, alles wieder rausgerissen und es kommt wieder was Neues rein. Da habe ich gesagt: Mein System kostet doppelt so viel aber das kann man 500 Jahre verwenden und dann ist es nur ein fünfzigstel so teuer. Ich bin auf der einen Seite minimal, aber auf der anderen Seite mit den wertvollsten Stoffen umgeben, die es überhaupt gibt, also Edelstahl und Eiche. Und ich brauche die Eiche nicht als Dekor, sondern ihre Materialeigenschaft ist wichtig. Ich habe hier auch keine Mechanik drin, was soll da kaputtgehen? Da werden viel größere Spannkräfte seit Jahrhunderten in Fachwerkhäusern verwendet. Und die sind viel mehr Belastungen ausgesetzt. Die Referenzobjekte wären also ehr hochpreisige Wohnmobile und die großen Städte dieser Welt. Die echten Megacitys. Wo man weiß, da ist kein Platz.

FACHWERKRAUM furnitecture - 4

Was erhoffst du dir für die Zukunft deines Produkts?
Der eigentliche Clou soll werden, dass es eine fachwerkraum App gibt. Es gibt ja jetzt eine Fotofunkton auf dem Handy, die ordnet Bett, Schreibtisch, Garderobe und Regal dem Raum zu. Dann bekommt man die Stückliste, den Gesamtpreis, kann auswählen, ob man einen Handwerker dazu will. Für einen Raum fünf Möbelstücke, das dauert praktisch einen halben Tag. Dann mache ich die Termine für die Lieferung und gegeben falls den Handwerker aus, und dann habe ich die effizienteste Einrichtung innerhalb von einer Woche. Und gleichzeitig ist es mit allem kombinierbar. Im Dreischichtbetrieb würde ich einen Kilometer Schienen schaffen.

Hast du bereits Ansätze zur Weiterentwicklung des Gesamtkonzepts?
Man kann sowohl die Profile als auch das Holz verändern und erhält dann eine ganz neue Haptik und Optik. Ich würde gerne ein Lego Zimmer bauen aus lackierten Kompaktplatten in den vier Grundfarben. Dann hat man ein echtes Kunstwerk an der Wand. Da sind keine Grenzen gesetzt. Ich habe ein Waschbecken, was genau die Maße hat. Aber es bringt nichts diese Dinge ewig weiterzuspinnen und schlussendlich in Schönheit zu sterben. Deswegen jetzt der pragmatische Ansatz.

Was wünscht du dir für die zukünftige Entwicklung im Bereich Architektur und/oder Innenarchitektur?
Am meisten, dass man berücksichtigt, wie eine Oberfläche in den nächsten Jahrzehnten aussieht. Das geht völlig unter. Das aktuelle Thema „Fridays for Future“ hatten wir in den 80ern mit dem Waldsterben, daraus hat kein Mensch jemals was gelernt und ich habe den Eindruck, das verpufft alles genauso wieder, weil auch keiner die eigene Verantwortung sieht. Ich habe gar nicht so sehr geschäftliches Interesse, sondern dass ich was Gutes für die Welt tue. Es wird nicht weit genug in die Zukunft gedacht oder auch zu viel zu schnell gebaut. Und wie toll sieht das aus, wenn man mal in so einer alten Kneipe war, wo die Eichenbänke richtig genutzt aussehen und man das Gefühl hat, das hat richtig Charakter. Teilweise wird ja schon künstlich Holz alt gemacht, weil die Leute das gerne so wollen und sich danach sehnen, dass Dinge haltbar sind. Aber alle reden drüber. Alle reden von Tiny Houses, Minimalismus, Ökologie und sonst was und dann hat man so ein Projekt und denkt sich, das passt super in die Zeit, schlägt sieben der zehn Mega- Trends wie Urbanisierung, Globalisierung, Barrierefreiheit, DIY usw., aber ich komme damit nicht durch.

Vielen Dank für das Interview und für die Einblicke in dein Unternehmen. Wir wünschen Dir und dem Unternehmen FACHWERKRAUM furnitecture viel Erfolg in der Zukunft!

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